09Jan,15

Eine kleine Peinlichkeit mit dem Namen “Soläij”.

 

Mir ist echt wenig peinlich.
Eine Eigenschaft die sehr hilfreich ist, da mir überproportional oft Dinge passieren,
die bei anderen wahrscheinlich längst Auswanderungspläne ausgelöst hätten.
Ich hingegen kann über mich und die (meisten) der schrägen Geschichten lachen.
Hin und wieder färbt sich aber auch mein Gesicht in Schamesröte und ich wünsche prompte Bodenöffnung.
So, vor einigen Jahren.
Als meine Pubertätshormone noch verrückt spielten,
galt mein heimliches Begehren dem jungen Mann aus dem Café, direkt gegenüber meines Elternhauses. Er arbeitete dort und ich beobachtete ihn oft stundenlang durch mein Zimmerfenster, durch das ich freien Blick in das Café hatte.
Ich war verknallt. Bis über beide Ohren. Und ich konnte noch so oft vor seinem Schaufenster flanieren, er bemerkte mich nicht. Es war zum Heulen.
So bekam ich nicht seine Aufmerksamkeit, geschweige denn seine Zuneigung.
Es musste etwas passieren. Auf in die Offensive!

Der Plan stand. Ein Besuch im Café.
Mit einer Freundin im Schlepptau (als emotionale Stütze), setze ich mich betont lässig an die Bar.
Immer das klare Ziel vor Augen: Seine Herzeroberung.

Er war ein paar Jahre älter als ich und für mich Herr Obercool in Person. Darum war es für mich von besonders großer Bedeutung, größtmögliche Lässigkeit auszustrahlen. Das, plus Coolness hoch 100.

Leider war das damals die Zeit, in der meine einzige Einahmequelle das Taschengeld meiner Eltern war. Und wie bei jedem anständigen Teenagger war ich schon am 5. des Monats so gut wie pleite. Also, was bestellen?
Es musste billig sein. Aber auch irgendwie cool. Naja, zumindest nicht uncool.
Ein Glas Cola. Das war drin. Und einen kleinen Snack, dann habe ich einen Grund etwas Zeit zu schinden. Mein Blick fiel auf eine Tafel. Darauf stand das Angebot einer für mich unbekannten Spezialität. Und es kostete nur 1 Euro.
Es schien sich um eine französische Spezialität zu handeln. Das Wort sah danach aus. Und so bestellte ich lässig und mit sinnlichem Blick, in leicht französischem Akzent.

Ich: Ein “Soläij”, bitte. (Ich schreibe so, wie ich es aussprach.)
Er: Was?
Ich: Ein “Soläij”.
Er: Wie bitte?
Ich: Na, ein “Soläij”.
Er: Haben wir nicht. Ich weiß nicht was du meinst.
Ich: Steht doch dort auf dem Schild. “Soläij”. Das hätte ich gerne.

Er fing an zu lachen. Kein “Och ist die aber süß” Lachen. Kein nettes Anlachen.
Er lachte mich aus. Laut und ausgiebig.
Und als er wieder reden konnte, sagte er: SOLEI! Du meinst Solei.
Ein in Essig eingelegtes Ei.

Das war der Beginn einer wachsenden Schamesröte und das Ende meines Begehrens.
Wir sahen uns nie wieder.
Zum Glück.

 

 

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