29Dez,14

Heino – “Schwarz blüht der Enzian” (Starwatch Entertainment)

Heino macht jetzt Metal – zumindest will man uns das weismachen, geht man nach dem CD-Cover. Der immer noch blonde, sonnenbebrillte Barde sitzt auf einem mit silbernen Totenköpfen geschmückten Thron in langem, mit Nieten besetzten Mantel aus Leder und … Pannesamt?!? Echt jetzt? Nun ja. Im Hintergrund Berge. Schön. Soll wohl seine üblichen Fans beruhigen. Daher wohl auch die Entscheidung, das Kreuz nicht umgekehrt um den Hals zu tragen…

Man kann nicht unbedingt von einem Albumcover auf die Qualität der enthaltenen Songs schließen, aber in diesem Fall finden sich tatsächlich viele Anzeichen auf das, was dem Hörer blüht – außer dem blauen Enzian (der ist nämlich nur im Titel schwarz.)

„Intro erst recht“, soll wohl Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen und beschwört dabei das  apokalyptische Horrorszenario herauf, dass nun auch die Jungen Heinos Musik hören werden. Und bei dem, was man heutzutage sonst noch in den Charts findet, könnte ihm das leider auch gelingen. Eine neue Generation, die Heino-Lieder mitsingen kann… Oh Graus!

Neu ist das natürlich nicht. Bereits Ende der 80er versuchte Heino mit „Rap-“ Neuinterpretationen seine bekanntesten Hits für ein jüngeres Publikum aufzubereiten. Nun also im Metalgewand… Obwohl, Moment, ist das denn wirklich so? Der Titelsong „Schwarz blüht der Enzian“ scheint darauf zu deuten, dass Heino sich in Richtung Neuer Deutscher Härte orientiert, aber letztlich ist es nicht mehr als eine zugegebenermaßen streckenweise sogar unterhaltsame Parodie auf Bands wie Rammstein – das klamaukige Video dazu unterstreicht das auch. Außerdem fällt natürlich die extreme Banalität des Liedtextes auf. Aber den Eindruck, dass Heino sich selbst parodiert, gewinne ich trotzdem nicht.

Auch nicht, dass er ernsthaft versucht, etwas Neues zu machen. Und wenn, kann oder will er sich nicht festlegen, in welche Richtung die Reise denn gehen soll. Schon der nächste Song auf dem Album macht sich bestimmt hervorragend am Ballermann oder beim Après-Ski. „Rosamunde“ könnte so auch von den Toten Hosen stammen. Für „Wir lagen vor Madagaskar“ wird Mittelalterrock bedient. Auch nicht wirklich innovativ. „Jenseits des Tales“ ist einfach nur unbeschreiblich unerträglich. So geht es immer weiter. Da ist nichts wirklich Neues auf diesem Album. Keine neuen Ideen und natürlich keine neue Songs. (Wie oft will Heino eigentlich seinen alten Senf noch auflegen? Ich bin ja schon für Recycling, aber manche Dinge gehören einfach für immer in die Tonne.) Musikalisch ist das Ganze auch mehr mit Helene Fischer verwandt als mit Rammstein. Ein paar E-Gitarren im Hintergrund machen eben noch lange keinen Metal. Richtig schlagerig wird’s dann zum Ende: Bei „Jetzt erst recht“ muss ich an Freddy Quinn denken, und bei „Karamba, Karacho, ein Whiskey“ … ach was, jetzt reicht’s mir! Mir ist eh schon ganz übel!

Von mir ganz klar KEINE Kaufempfehlung. Ist höchsten was für Trashpop-Partys – obwohl, gibt es nicht sowieso schon genug Trashpop?

 

 

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