15Mrz,15

Madonna – Rebel Heart – Deluxe (Interscope)

Nachdem letztes Jahr, zu Madonnas äußersten Verärgerung, schon einige Songs ihres neuen Albums “Rebel Heart” geleaked wurden, was natürlich für Kontroversen sorgte, war ich schon etwas gespannt auf das Werk. Obwohl nie selbst ein Fan der Pop-Ikone, ist mir ihre Bedeutung für die Popmusikwelt durchaus bewusst. Vor einer so langen und erfolgreichen Karriere muss man sich verneigen, vor allem wenn man in dieser immer wieder neue Maßstäbe gesetzt und Standards neu definiert hat, wie dies Madonna zweifelsohne getan hat. Seien wir ehrlich, wer kann sich die 80er ohne Madonna vorstellen. Und auch in den 90ern gehörten ihre Singles immer zu den besseren Songs in den Charts. Okay, wer sich an die 90er erinnern kann, weiß, dass das nicht unbedingt ein Beweis für Qualität ist, aber Madonna hatte eigentlich immer ein Händchen für gute Popmusik. 2000 zeigte sie mit “Music” auch wieder ihr Gespür für den Zeitgeist. Naja, aber danach war’s dann eher durchwachsen, nicht alle neueren Alben konnten wirklich punkten, auch nicht das letzte, “MDNA”. Das hatte seine Momente, ließ aber insgesamt doch eher die Frage aufkommen, ob Madonna heute noch relevant ist.

Befürchtungen, die Sängerin könnte ihre kreativsten Tage schon hinter sich haben, räumt sie mit ihrem mittlerweile 13. Studioalbum “Rebel Heart” souverän und nachdrücklich aus dem Weg. Auf 19 Tracks mit insgesamt eineinviertel Stunden Spielzeit finden sich natürlich auch einige kleine Schwächen. Nicht alle Songs funzen gleich beim ersten Mal (was natürlich nicht unbedingt schlecht ist,) aber “Ghosttown” hat mich auch nach mehrmaligen Hören nicht ganz überzeugen können, auch wenn es einen wirklich hinreißenden Refrain hat! Vielleicht schenkt man uns ja mal einen Remix des Songs nur mit dem Refrain…

Auch ist Madonna immer noch keine herausragende Sängerin, ihre stimmlichen Qualität sind immer noch begrenzt. Das ist meistens nicht weiter schlimm, da ihre Songs natürlich auch nicht für eine große Stimme geschrieben sind, und es deshalb nicht wirklich negativ auffällt außer eben hier und da… dann tut es ein bisschen in den Ohren weh.

Von der Reihenfolge der Songs bin ich ebenfalls nicht überzeugt. Auch wenn’s die erste Single war, das houselastige “Living for Love” braucht für mich zu lange um in Fahrt zu kommen und gefällt mir daher als Opener nur so semi. Zumal es danach erstmal auch nicht so fetzig weitergeht. Glücklicherweiser schlägt der vierte Track, “Unapologetic Bitch” dann endlich richtig ein. Musikalisch holt sich das seine Inspiration bei Reggae und Dancehall, inhaltlich verbindet es ihre beide Themen auf diesem Album, Liebe (in diesem Fall eine sarkastische Abrechnung mit einer Ex-Beziehung) und ihre Ich-lass-mich-nicht-unterkriegen-Attitüde. Dieser Song wäre ein brillianter Opener gewesen. Oder der Titelsong, der jetzt leider am Ende gegen die vorangehende wehmütige, superkitschige-aber-herzerweichende Ballade “Messiah” ziemlich abstinkt. Aber, das sind eher Kleinigkeiten, und im digitalen Zeitalter leicht zu behebende Probleme, die nichts daran ändern, dass es sich bei “Rebel Heart” um ein wirklich gutes, abwechslungreiches Album handelt. Madonna hat wieder einmal ein gutes Gespür bei der Auswahl ihrer Kollaborateuren gezeigt (Kanye West, Avicii, Diplo gehören zu den Produzenten,) und ihre Offenheit dafür, neue Wege in ihrer Musik zu bestreiten, hat sich diesmal voll ausgezahlt.

 

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