24Jan,15

Marilyn Manson “The Pale Emperor (Deluxe Version)” (Vertigo Berlin)

Ich bin froh, dass wir Januar haben… Zum Jahresende wird der Musikmarkt ja traditionell noch mit dem letzten Müll überschwemmt, in der nicht unberechtigten Hoffnung, durch zuviel Zucker und Glühwein getrübtes Urteilsvermögen gepaart mit dem Druck, noch rechtzeitig alle Geschenke zu besorgen, möge viele unkritische Musikhörer zum Kauf billiger Pseudoklassik, Ethnopopverschnitten und unzähligen und völlig überflüssigen Sammlungen der ewig gleichen Weihnachtslieder verleiten. Für gute Musik ist da wenig Platz.

Nach der vorweihnachtlichen Durststrecke lechzt der Musikliebhaber nach jeder neuen Veröffentlichung im neuen Jahr. Und so sehe ich, Marilyn Manson haben also ein neues Album raus – „The Pale Emperor“ (Label: Cooking Vinyl, hierzulande Vertigo Berlin) Und da die Musikbranche ja eher schleppend aus dem weihnachtlichen Fresskoma erwacht, höre .ich da also rein… Ich mag Marilyn Manson, aber ich bin kein Fan. Ihre Coverversionen sind großartig, sie haben viele gute Songs, aber ein ganzes Album anhören? Ich mag die Idee von Marilyn Manson mehr als die Musik. Und so stand ich dem Album natürlich skeptisch gegenüber, immerhin ist es das mittlerweile neunte Studioalbum einer wechselnden Besetzung um Leadfreak Brian Warner AKA Marilyn Manson. Geht da noch was? Beim ersten Reinhören, stelle ich erstaunt fest, dass, obwohl immer noch ganz klar Manson, sich etwas in den Sound gemischt hat, das mich fragen lässt: Haben Marilyn Manson den Blues entdeckt? Der Sound bleibt hart und lädt oft genug zum Headbangen ein, ist aber um eine wärmere Komponente bereichert, die ihm ausgezeichnet steht und Mansons Gesang eine ganz neue Emotionalität ermöglicht. Wie er sich z. B. auf „Odds of Even“ auskotzt, man leidet einfach mit… Wunderbar theatralisch ist auch „Birds of Hell Awaiting“. (Hawkwind lassen übrigens grüßen!) Der „cinematische“ Ansatz lässt sich sicherlich auch darauf zurückführen, dass die Musik auf dem gesamten Album von Manson-Neuzugang Tyler Bates geschrieben wurde, der sich auch noch als recht erfolgreicher Film- und Videospiel-Komponist verdingt. Wie auch immer die Zusammenarbeit zustande gekommen ist, das Album lässt darauf hoffen, dass sie noch etwas länger andauert

Die „Deluxe“ Version des Albums, die hierzulande aber auch die einzige erhältiche zu sein schein, schenkt uns noch drei „unplugged“ Versionen. „Day 3“ ist die unverstärkte Version von „Third Day of a Seven Day Binge“ (- das allein für den Titel die maximale Punktzahl bekommt – ), „Fated, Faithful, Fatal“  von „The Mephistopheles of Los Angeles“ (auch ein Anspieltipp von mir!) Der würdige Abschluss dieses Albums ist „Fall Of The House Of Death“, eine herrlich-elegische, schmerzhaft schleppende Version von oben erwähntem „Odds of Even.“

Und so beantworte ich meine Frage, ob Marilyn Manson noch relevant sind zumindest für dieses Jahr mit einem Ja. Sie können immer noch musikalisch überraschen (was sicherlich auch der sich stetig ändernden Besetzung zu verdanken ist.) Wer weiß, vielleicht würde ich diesen Herren sogar ein Weihnachtsalbum abkaufen…

 

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