17Mrz,15

Oonagh – “Aeria” (Label: We Love Music; Anm.: Echt jetzt? Würd ich erstmal nicht drauf kommen…)

Ich gebe zu, ich bin sprachlos. Das kommt nicht oft vor, aber dieses Mal fehlen mir wirklich die Worte, um dieses … werk zu beschreiben, zumindest die zivilisierten. Ich gebe zu, ich bin überrascht. Sicher nicht, weil es nun ein zweites Album gibt. Nachdem das erste ja nun einigen kommerziellen Erfolg hatte (- sicher nicht zuletzt aufgrund des aggressiven Marketings -) und mit Teil 1 1/2 kurz vor Weihnachten nochmal Kasse gemacht werden konnte, war nichts anderes zu erwarten. Man muss die Kuh ja melken, solange sie noch warm ist, oder wie ging das doch gleich…

Überrascht bin ich davon, wie (hier fehlen mir leider die zivilisierten Worte) dieses Album ist. Meine Erwartungen an die Qualität dieses … werks waren schon so gering – wären meine Erwartungen eine Limbostange, keine Blatt hätte mehr zwischen sie und den Boden gepasst – und doch gelingt es Oonagh auf “Aeria” all diese noch zu untertreffen. Unterirdisch. Als “Quantensprung” hingegen bezeichnen Universal das Album auf ihrer Website. Den Beweis bleiben sie uns allerdings schuldig, ebenso wie das Album selbst.

Als einzig neues Element gesellt sich nun eine weitere Sprache zu den deutschen und elbischen Texten. Ja, schon auf dem Erstlingswerk wurde Refrain auf Elbisch geträllert, was den einzigen Vorteil hatte, dass man das wenigstens nicht verstand. Die-hard Tolkien-Nerds leiden hier natürlich doppelt. (Aber würden die sowas überhaupt anhören?) Auf “Aeria” sind Teile der Texte nun in der Sprache der Quechua. Ich gehe davon aus, dass sich auch diese inhaltlich nicht in ihrer Banalität von den deutschsprachigen unterscheiden.

Nachdem man auf dem Erstling noch auf Fantasy-Folk-Pfaden gewandert war, hat man sich nunmehr darauf besonnen, dass es real existierende Kulturen gibt, die man gewinnbringend ausschlachten kann. Lateinamerika musste diesmal herhalten, Elemente der Kultur besagter Quechua (obwohl zu bezweifeln ist, dass die Macher dieses Albums sich tatsächlich mit dieser auseinandergesetzt haben) sollen sich auf dem Album finden. Ehrlich gesagt, bezweifle ich das ebenfalls. Sehr stark. Das einzige, das ich hier finde, sind die üblichen Klischees. Mal abgesehen von dem Cover (auf das ich jetzt aber nicht näher eingehen will, da das den Rahmen sprengen würde. Aber ihr könnt ja selbst sehen auf wie viele Arten und wie vielen Ebenen das mehr als nur anstößig ist) finden sich schon im ersten Song (und vielen weiteren) die obligatorischen Panflöten. Natürlich. Genauso, wie man sie in jeder Fußgängerzone zu hören kriegt. Authentisch? Naja, so authentisch wie die in der Fußgängerzone… Das Ganze unterlegt mit ‘nem Beat, wie man ihn üblicherweise als Preset bei diesen Alleinunterhalterkeyboards findet. Überhaupt klingt die ganze “Musik” wie Synthdemos. Sicher die sind auch irgendwie lustig. Die hört man sich mal an, wenn man was zum Lachen braucht. Aber man bezahlt schließlich nicht dafür. Der Spaß hört einfach auf, wenn einem dieser Quatsch ehrlich als Musik verkauft wird. Und ein starkes Stück finde ich auch, wenn man versucht mir weiszumachen, dieser Klischee-Ethnoschlager stelle einen respektvollen Umgang mit weltmusikalischer Tradition dar. Ich finde das alles eher dreist.

Bleibt zu hoffen, dass es zu keinem Drittling kommt. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Aber wenn sich dieses Album auch wieder als profitabel erweist, beschert man uns pünktlich zur Vorweihnachtszeit Teil 2 1/2 (oder diesmal gar ein echtes Weihnachtsalbum?) Und Teil 3 lässt dann sicher auch nicht mehr lange auf sich warten. Schreibt sich ja schnell, sowas (hurray for presets!) – und schließlich warten noch so viele “exotische” Kulturen darauf, von einem Haufen weißer Europäer für den weißen deutschsprachigen Markt kommerziell ausgebeutet zu werden. (Das ist übrigens auch das einzig Authentische an diesem Album!) Es bleibt sicher gruselig.

(Nachtrag: Obigen Text habe ich verfasst, bevor ich das Video zur ersten Singleauskopplung gesehen habe. Mehr als 20 Sekunden davon habe ich übrigens auch nicht ertragen können. So sieht hierzulande also “Respekt” vor anderen Kulturen aus? Es ist einfach nur beschämend. Aber urteilt selbst, ich enthalte es euch nicht vor, auch wenn ich lange überlegt habe, ob ich etwas in meinen Augen so Rassistisches überhaupt teilen kann. Und ich höre lieber auf, bevor ich mich um Kopf und Kragen rede, aber auch, weil ich gegen die aufsteigende Übelkeit ankämpfen muss.)

 

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